SWISS AUTOMOTIVE GROUP - Geschichte

Derendinger AG

Im Jahr 1930 waren in der Schweiz fast 61 000 Autos zugelassen – eine unglaubliche Zahl, waren doch 20 Jahre zuvor lediglich 2 276 Pkws auf Schweizer Strassen unterwegs. Daher liess sich Jean-Jacques Derendinger auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht von seiner Vision abbringen. Die Fahrzeuge brauchten Wartung und Ersatzteile, die Lebensdauer einzelner Bauteile war kurz und auch bei dem damals mässigen Verkehrsaufkommen ereigneten sich Unfälle. Ein möglichst umfängliches Servicepaket für Automobilbesitzer eröffnete ein grosses Tätigkeitsfeld mit Potenzial – und Jean-Jaques Derendinger gründete in Zürich eine Handelsfirma für «Brems- und Kupplungsmaterialien». Die Kantonshauptstadt bildete den besten Startpunkt dafür, war Zürich doch schon 1930 ein wichtiges Wirtschaftszentrum mit viel Kapital und Strahlkraft. «Kundenfreundlich, verlässlich und schnell» – die Devise des Firmengründers prägte den Aufstieg der Firma, die 1942 in eine GmbH umgewandelt wurde. Doch der Automobilmarkt wurde immer wieder von Krisen geschüttelt, besonders während des Zweiten Weltkrieges, als sich die Zahl der Autos wieder auf das Niveau von 1923 reduzierte. Die Not machte Derendinger und seine Mitarbeitenden erfinderisch: So wurde ein Kupplungs-Reparaturservice aufgebaut sowie ein spezieller Bremsbelag aus dem Wallis entwickelt.

Ab Mitte der 1950er-Jahre eröffnete Derendinger fast jährlich eine neue Filiale. Nach dem Tod des Firmengründers 1972 übernahmen sein Schwiegersohn Dr. Jörg Schürmann und sein langjähriger Wegbegleiter Georg Hartmann die Leitung der Firma. Jean-Jacques Derendinger erlebte bedauerlicherweise nicht mehr, wie das Angebot kontinuierlich ausgebaut wurde und der Umzug in das neue Bürogebäude in Zürich-Dietlikon erfolgte. 1987 wurde aus der GmbH eine AG. Auf immer wieder aufkommende wirtschaftliche Turbulenzen im Automobilbereich reagierte Derendinger mit einer Vorwärtsstrategie, gezielten Zukäufen, verschlankten Strukturen und Internationalisierung. Im Jahr 1997 übernahm Sandro Piffaretti die Anteile der Familien Schürmann und Derendinger. Im Sinne einer klaren Nachfolgeregelung innerhalb der Familie Piffaretti übernahm Sandro Piffaretti auch die Anteile seiner Mutter und wurde im Januar 2008 Alleinaktionär der Derendinger.


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Jean-Jacques Derendinger gründete in Zürich eine Handelsfirma für «Brems- und Kupplungsmaterialien»

Métraux Services SA

Wenn es um die Swiss Automotive Group geht, wäre diese Geschichte jedoch nur halb erzählt. Ihr zweiter Strang beginnt 1967, als Michel Métraux in Lausanne eine grosse Tankstelle mit 20 Zapfsäulen und einem Shop für Autozubehör eröffnete. Unter der Marke Autotyp vertrieb er bald darauf Wartungszubehör und Serviceteile wie Keilriemen oder Scheibenwischerblätter. 1971 übernahm Michel Métraux die Führung von Huiles Minérales SA, der Firma seines Schwiegervaters. Ob die Einführung der Elf-Produkte in der Schweiz oder die Patentierung der Trak-Schneekette – in den folgenden Jahren tat die Familienunternehmung bedeutsame Schritte. In den späten 1980er-Jahren begann dann die Zeit der Akquisitionen: Von nun an zählten Anbieter unter anderem aus dem Recycling-Sektor oder Ersatzteilhandel zu Métraux. Etwas später führte das Unternehmen die Franchise AD-Garage ein: Unabhängige Garagen treten damit einem internationalen Netzwerk von Reparatur-Werkstätten für alle Marken bei. Die letzte Etappe auf dem Weg zum Börsengang stellte die Gründung der Holding Métraux Services SA dar, die alle Firmen und Marken unter einem Dach zusammenbrachte.

Das Jahr 1999 bedeutete jedoch einen Einschnitt, denn das Unternehmen verlor seinen Gründer. Dessen Sohn Olivier Métraux, der seit 1991 im Unternehmen tätig war, übernahm daraufhin seine Leitungsaufgaben. Er führte auch nach dem Börsengang den Expansionskurs des Unternehmens im In- und Ausland weiter, und Métraux Services baute seine Position als Partner für Automobile und Lkws in den Bereichen Versorgung, Unterstützung und Recycling aus.


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1967 baut Michel Métraux bei Lausanne eine Tankstelle und legt den Grundstein für das Unternehmen.

Swiss Automotive Group

Im Jahr 2009 verknüpften sich die Geschicke der beiden über Jahrzehnte erfolgreichen Familienunternehmungen Derendinger AG und Métraux Services SA. Die zwei führenden Anbieter von Autoersatzteilen in der Schweiz legten ihr Geschäft zur Swiss Automotive Group AG zusammen und stehen seither an europaweit sechster Marktposition. Die bisherigen Marken, ihr unabhängiger Auftritt und das Filialnetz sind erhalten geblieben. Im operativen Geschäft tauchen die Gründerfamilien nicht auf, jedoch sind die beiden Aktionäre, Olivier Métraux als Präsident und Sandro Piffaretti als Delegierter, im Verwaltungsrat aktiv. Die Swiss Automotive Group ist ein Schweizer Unternehmen mit doppelter Geschichte – und das bedeutet hier: doppelte Erfahrung, doppeltes Know-how und doppelter Erfolg.


SAG Cham

Die Swiss Automotive Group an der Sinserstrasse 65 in 6330 Cham, Schweiz

Autonet Import

Nach 1989, dem Jahr des Regimewechsels in Rumänien, eröffnete sich die Perspektive eines besseren Lebens für ein Volk, das jahrzehntelang unter Diktatur und Mangelwirtschaft gelitten hatte. Die Grenzen wurden geöffnet. Es war ein von Optimismus und Freiheitswille geprägtes Zeitalter; die Zeit, die auch die Entstehung der ersten Privatunternehmen im Land ermöglichte.

In diesem abenteuerlichen Zeitabschnitt, Anfang der 90er Jahre, waren Zoltán Kondor und Mihály Lieb in ihren Zwanzigern und hatten ihre Ingenieurdiplome in der Tasche. Sie kannten sich noch nicht und begannen, völlig unabhängig voneinander, eine Karriere in der Automobilindustrie: Mihály in Rumänien und Zoltán in Ungarn.

Im ersten Jahrzehnt nach dem Regimewechsel hatte sich kein Vertragshändler in Rumänien niedergelassen, und es gab keine breite, wirklich zahlungsfähige Gesellschaftsschicht. So fing Mihály Lieb 1991 an, Gebrauchtwagen der Marke Dacia aus Ungarn anzukaufen und in Rumänien zu verkaufen. In Ungarn erschienen die westlichen Autos viel früher, und mit der Zeit  auch die Vertragshändler, wobei die östlichen Modelle abgewechselt wurden. In den Ländern des Ostblocks waren die Wartezeiten auf die im Inland produzierten Autos immer noch sehr lang, deshalb war die Nachfrage nach Gebrauchtwagen viele Jahre lang gross. Nach zwei Jahren gründete Mihály Lieb seine erste Reparaturwerkstatt in Satu Mare, wo er zusammen mit seinen beiden Brüdern arbeitete. Nach den Dacias begann er ab Ende 1993 westliche Autos in Rumänien einzuführen, die er in der eigenen Werkstatt reparierte, lackierte und anschließend im Land verkaufte.

Zu dieser Zeit erschienen die ersten grossen Autoteilehändler und Importfirmen im Land, die aber noch nicht in der Lage waren, konstante Zulieferung zu sichern, sodass die neue Warentransporte oftmals Monate auf sich warten ließen. Mihály Lieb, der dank seiner früheren Unternehmungen die ungarischen und westlichen Verkaufskanäle recht gut kannte, erkannte die Chance in dieser Situation.

Zoltán Kondor zog nach dem Regimewechsel nach Ungarn, wo er nach einem kurzen Arbeitsverhältnis zur vielversprechenden und abenteuerlichen Unternehmenswelt voller Herausforderungen wechselte. Anfangs bot er Computer- und Telekommunikationsdienstleistungen an. Seine Firma und sein Team aus siebenbürgischen Aussiedlern verstärkten sich durch unterschiedliche händlerische – unter anderen auch Pkw-gebundene – Tätigkeiten auf dem sich rasch entwickelnden ungarischen Markt. Die zwei jungen Unternehmer trafen sich zum ersten Mal in Budapest, auf Empfehlung eines gemeinsamen Bekannten. Damit wurde der Grundstein der Firma Autonet als Autoersatzteilehändler gelegt. Inzwischen hatten beide schon fünf Jahre Erfahrung auf dem Gebiet des Kfz- und Kfz-Teilehandels, bzw. im Unternehmensmanagement. Im Juni 1996 wurde in Satu Mare, Rumänien die Autonet Import GmbH gegründet.

Die erste große Einfuhr von Autoteilen erfolgte im August 1996, im Wert von 10.000 Deutschen Mark. Die Autonet-Mannschaft bestand damals aus fünf Personen. Die Firma begann ihre Tätigkeit in Satu Mare im ersten Stock eines Gebäudes, in einem 100 Quadratmeter großen Raum. In den ersten 1-2 Jahren erledigte die kleine, aber begeisterte Mannschaft alles eigenhändig; rasch folgte die Zeit der rasanten Entwicklung. Der eine Schlüssel zum Erfolg war, dass in den ersten Jahren nach der Gründung der Firma es eine Großzahl junger, kreativer Ingenieure gab. Weil die Firma besonders gute persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und ein einzigartiges Arbeitsumfeld anbieten konnte, war es möglich, sehr kreative und motivierte Fachleute in das Team einzubeziehen.

Die Flexibilität von Autonet im Vergleich zu Großunternehmen führte in kurzer Zeit zum Erfolg. Die Firma wies seine Daseinsberechtigung auf dem Markt nach. Die Ideen der Zulieferer wurden strukturiert angeboten und prägend war die Offenheit gegenüber damals unkonventionellen Lösungen.

Die rasche Durchführung der komplizierten Zollgeschäfte bedeutete damals eine große Herausforderung: Zu der Zeit nach der Firmengründung wurde die gesamte Ware aus Ungarn eingeführt, später folgten die ersten italienischen Transporte aus einer Fabrik aus Torino, und 2004 fand der erste Direktimport aus Deutschland statt. All dies steigerte die Qualität der Zulieferung weiter. Die Firma stellte von Anfang an immer die bestpositionierten Markenportfolios bester Qualität zusammen. Die SIAB Ausstellung in Bukarest war ebenfalls ein Meilenstein: Die Firma Autonet zog die Aufmerksamkeit der Vertreter von Großunternehmen auf sich. Dank des guten Rufes, der Zuverlässigkeit und der Vision der Firma öffneten sich die Türen nach und nach: In kurzer Zeit schlossen sich weitere 35-40 Fabriken als Direktlieferanten der Zuliefererkette von Autonet an. Im Jahre 1998 wurden zwei Niederlassungen gegründet: in Timișoara beziehungsweise in Bukarest, und bald darauf folgte eine weitere Niederlassung in Brașov.

Die Firma Autonet beriet ihre Kunden auch hinsichtlich der Geschäftsführung, was zur Entwicklung dieser Partnerunternehmen beitrug. Autonet ist besonders erfreut über die Loyalität ihrer Kunden, denn viele dieser Partnerschaften bestehen mittlerweile seit 20-22 Jahren.

Vor gut zwanzig Jahren steckte die Informatik noch in den Kinderschuhen, aber Autonet führte schon damals bei seinen Kunden Online-Kataloge und Updates mithilfe von 1,44 MB Disketten (Floppys) ein.

Innovative technische Lösungen, hochpräzise Logistik und höchster Organisationsgrad waren bei Autonet der Standard, was zu der Zeit gar nicht üblich war. Folglich wurde Autonet zum Synonym für Zuverlässigkeit, was der Arbeitsgemeinschaft in Satu Mare und der siebenbürgischen Mannschaft in Budapest zu verdanken war.

Ein Pfeiler dieses Erfolgs war von Anfang an, dass die Firmeninhaber sich immer gut definierte, herausfordernde und realisierbare Ziele setzten. Bereits nach einigen Jahren nach der Gründung der Firma, im Jahre 1999 wurden zum ersten Mal Vision und Mission der Firma formuliert. Als Ziel wurde gesetzt, in fünf Jahren einer der ersten drei Importeure des Landes zu werden. Dieses Ziel wurde in knapp vier Jahren erreicht und sogar übertroffen: Autonet ist Marktführer geworden. Für die Entwicklung der Firma war strategisch wichtig, dass die gesetzten Ziele Jahr für Jahr neu definiert wurden, und dass die sich rasant entwickelnde Firma immer wieder neu organisiert wurde, sodass Dynamik und Sicherheit ihrer Laufbahn bewahrt werden konnten.

Seit 2003 ist Autonet Import der marktführende Dienstleister des Landes im Automotive Teilehandel. Die komplexe Tätigkeit der Firma gliedert sich auf 19 Geschäftsfelder. In den letzten 15 Jahren hat sich Autonet zu einer Firmengruppe entwickelt, die aus insgesamt 12 Firmen besteht, die allesamt Dienstleister im Automotive Aftermarket sind. Die Mitglieder der Autonet-Gruppe sind: Autonet Import Rumänien, Autonet Import Ungarn, Autonet Import Slovenien (Reparaturdienstleistungen), Lubexpert Rumänien, Lubexpert Ungarn, Lubexpert Slovenien (Schmiermittel), Forsius (Lacke für Motorfahrzeuge), Network Systems (IT- und Webdienstleistungen, Marketingagentur), A24 Assistance (Roadside Assistance), Garage Assist (Werkstattausrüstung), PointS (Reifenservice-Netzwerk), Dynamic Software Solutions (IT). In vier Ländern sichern rund 1.800 Mitarbeiter die Mobilität der motorisierten Gesellschaft und die Entwicklung der Firmengruppe.

Die Autonet Group Holding und die schweizerische Swiss Automotive Group vereinigten sich im Dezember 2015. Zusammen sind die zwei Unternehmensgruppen schon in sieben europäischen Ländern vertreten, und mit einem gemeinsamen Umsatz von fast einer Milliarde Euro zu einem der prägendsten Player der Branche in Europa geworden.

1996 Autonet Import in Satu Mare

1996 - Im ersten Stock des Gebäudes war der erste Sitz von Autonet Import in Satu Mare, wo die kleine Mannschaft alles eigenhändig erledigte: von der Bestellung der Ware über die Warenübernahme bis hin zur Lagerung, von den Kundenbestellungen über die Verpackung bis hin zur Lieferung.

20 Jahre Autonet Import

Am 7. Mai 2016 feierten die Firmeninhaber Zoltán Kondor und Mihály Lieb zusammen mit den Angestellten, externen Spediteuren, Autoteilelieferanten und rund 4.000 Kunden den 20. Geburtstag von Autonet Import. Es war ein historischer Moment, wo „die grosse Familie” zum ersten Mal zusammen feierte.